Über zwölf Monate begleiteten wir gemeinsam mit der Hertie School 184 Tandems aus zwölf Organisationen – darunter zwei Versicherer, eine Senatsverwaltung, drei Stiftungen und sechs mittelständische Familienunternehmen. Untersucht wurden Reverse-Mentoring-Paare, Übergangs-Tandems im Vorruhestand und intergenerative Projektgruppen.
Die Ausgangsfrage war zugespitzt: Lässt sich Vertrauen zwischen Generationen organisatorisch herstellen – oder bleibt es eine Frage individueller Sympathie? Die Antwort fällt eindeutig aus.
Methodik in drei Wellen
Die Erhebung verlief in drei Messzeitpunkten: vor Beginn der Tandem-Arbeit, nach sechs Monaten und nach Abschluss. Ergänzt wurden die quantitativen Befragungen durch qualitative Reflexionsrunden – jeweils zwölf pro Welle, jede mit acht bis zwölf Teilnehmenden.
- Quantitativ Standardisierte Skalen zu Vertrauen, psychologischer Sicherheit, Wissensaustausch und Übernahmebereitschaft. Auswertung durch das Hertie-Team unter der Leitung von Prof. Dr. M. Holzer.
- Qualitativ Halbstrukturierte Gruppengespräche mit thematischer Codierung. Fokus auf erlebte Wendepunkte, Konfliktlinien und Übersetzungsleistungen.
- Kontextuell Dokumentenanalyse der jeweiligen Organisationskultur, um Effekte vom Programm gegenüber Effekten der Organisation zu unterscheiden.
Drei Befunde, die uns überrascht haben
Wir hatten erwartet, Effekte zu finden – wir haben gelernt, dass diese Effekte größer und stabiler sind, als die Forschung es bislang nahelegte. Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:
1. Vertrauen wächst messbar – nicht nur gefühlt.
Der Vertrauensindex der Tandems stieg im Mittel um 38 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Stärker noch: Die Streuung sank deutlich – das Programm hebt nicht nur den Durchschnitt, sondern reduziert die Spannweite zwischen sehr guten und problematischen Beziehungen.
Tandems sind keine Sympathie-Allianzen. Sie sind eine Praxis – und Praxis lässt sich gestalten.
Prof. Dr. M. Holzer · Hertie School
2. Wissen fließt in beide Richtungen.
Reverse-Mentoring wird häufig als Einbahnstraße gedacht: Junge erklären Älteren das Digitale. Unsere Daten zeigen das Gegenteil. In 71 Prozent der Tandems berichteten die jüngeren Teilnehmenden von substanziellen Lernzuwächsen in Bereichen wie Verhandlungsführung, Konfliktmoderation und langfristiger Strategieentwicklung – Bereiche, in denen die Erfahrung der Älteren unmittelbar einfließt.
3. Strukturierte Reflexion ist der entscheidende Hebel.
Tandems mit regelmäßigen, moderierten Reflexionsrunden zeigten doppelt so hohe Effekte wie unbegleitete Tandems. Begegnung allein reicht nicht – sie muss organisiert, ausgewertet und in den Arbeitsalltag übersetzt werden. Genau hier setzen die Werkstätten des GenerationenWerks an.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Studie liefert ein operatives Modell für Organisationen, die Generationenübergänge nicht dem Zufall überlassen wollen. Wir empfehlen vier Bausteine, die in jedem getesteten Format wirksam waren:
- Klarer Rahmen Tandems brauchen einen definierten Anlass, ein verbindliches Zeitbudget und einen erklärten Lerngegenstand – sonst verflüchtigen sie sich.
- Doppelte Erwartung Beide Seiten lernen, beide Seiten lehren. Wer das von Beginn an klar kommuniziert, vermeidet die Asymmetriefalle des klassischen Mentorings.
- Moderation auf Abruf Nicht jede Sitzung braucht eine Moderation, aber jede Tandem-Beziehung braucht den Zugang dazu – als Sicherheitsnetz für Spannungen und als Beschleuniger für Reflexion.
- Sichtbare Ergebnisse Was im Tandem entsteht, muss in der Organisation ankommen. Kurze, regelmäßige Berichtsformate machen Wirkung verhandelbar – und damit förderbar.
Wie es weitergeht
Die vollständige Studie erscheint im Juni 2026 als gemeinsame Publikation von GenerationenWerk und Hertie School. Eine Kurzfassung mit den wichtigsten Empfehlungen können Förderpartner ab sofort über unser Kontaktformular anfordern. Im Herbst 2026 startet eine Anschlussuntersuchung mit Schwerpunkt auf öffentlicher Verwaltung – Sie können sich dafür als Pilotorganisation bewerben.
Wir danken allen 184 Tandems, die sich auf diese Untersuchung eingelassen haben – und insbesondere den Organisationen, die ihre laufenden Programme zwölf Monate lang für eine externe Begleitung geöffnet haben. Was wir gelernt haben, geben wir an alle weiter, die Generationenübergänge in ihrer eigenen Organisation gestaltbar machen wollen.